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	<title>Hannah Altepost | Düsseldorf zeigt Haltung</title>
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		<title>Einfach anfangen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hannah Altepost]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Aug 2019 09:28:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Besondere Düsseldorfer]]></category>
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					<description><![CDATA[<div class="entry-summary">
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:left" class="has-drop-cap"><strong>Maximilian Loosen (26) hatte nach eigener Aussage bisher in seinem Leben immer viel Glück. Auch das Privileg, als erster in seiner Familie studieren zu können, zählt er dazu. So schreibt der 26-jährige Wahl-Düsseldorfer heute an seiner Doktorarbeit und arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer großen Wirtschaftskanzlei in der Landeshauptstadt. In dem Bewusstsein, dass nicht jeder die gleichen Chancen mit auf den Weg bekommt, engagiert sich Maximilian vielerorts in sozialen Projekten. Dabei zählen für ihn vor allem die kleinen Dinge, denn dort „beginne Veränderung“.</strong></p>



<p style="color:#35d0dc;text-align:left" class="has-text-color"><strong>Maximilian, du hast uns erzählt, dass Engagement und Veränderung für dich im Kleinen beginnen. Was verstehst du darunter?</strong></p>



<p>Jeder Mensch steht vor seinen eigenen Herausforderungen und Problemen. Solche, die ihm selbst womöglich unlösbar erscheinen, für einen anderen jedoch einfach zu bewältigen sind. Hierbei ist es völlig egal, wie groß oder klein das Problem aus Sicht des anderen erscheint. Wichtig ist, hinzuschauen und Hilfe anzubieten. Das Stichwort lautet: Machen!</p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Dann ist Haltung zeigen ja eigentlich ganz einfach.</strong></p>



<p style="text-align:left">Eigentlich ja. Und ich bin mir sicher, es tun auch viele. Vielleicht merken sie es nur gar nicht, halten ihre Aktionen für selbstverständlich. Älteren die Einkäufe abzunehmen und zum Auto zu tragen, Nachbarkindern Nachhilfe zu geben, in Diskussionen seine Meinung zu vertreten und zu ihr zu stehen – All dies zählt für mich dazu. Hilfe und Veränderung beginnen im Kleinen und auch Selbstverständlichkeit ändert nichts daran, dass etwas Gutes getan wird. Man sollte sich dessen bewusst sein.</p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Warum ist das wichtig?</strong></p>



<p>Nicht zuletzt, weil es einen selbst ein Stück glücklicher macht. Vorwiegend jedoch, weil wir sonst von einem anderen Bild eingenommen werden. Das Bild einer Welt, die uns diverse Medien und Social Media suggerieren. Immer wenn ich durch die sozialen Medien scrolle, habe ich das Gefühl, dass die Welt nur noch aus Egoisten besteht. Jeder strebt nach seinem eigenen Vorteil und achtet nicht mehr darauf, was um ihn herum geschieht. Facebook-Gruppen werden zum Rumpöbeln und Verbreiten von Hass-Nachrichten zweckentfremdet. Das finde ich sehr schade! Und ich bin nicht sicher, ob das unsere Realität widerspiegelt. Wir brauchen da unseren eigenen Gegenpol.</p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Du hattest kürzlich die Gelegenheit an einem Pro Bono-Projekt mitzuarbeiten. Was war hier das Besondere?</strong></p>



<p>Das ist richtig, das war in meiner alten Kanzlei. Pro Bono bedeutet, dass freiwillig und ohne Entgelt eine professionelle Arbeit für Bedürftige erbracht wird. In unserem Fall geschah dies in Zusammenarbeit mit der Diakonie Düsseldorf. Wir haben in diesem Projekt eine Rechtsberatung für misshandelte oder obdachlose Frauen und Mädchen angeboten. Gemeinsam mit zwei unserer Anwältinnen hatte ich die Möglichkeit, den Frauen und Mädchen bei ihren rechtlichen Problemen zu helfen. Da kamen ganz unterschiedliche Fälle zusammen: Mal ging es um Probleme mit dem Vermieter oder dem Mobilfunkanbieter, mal wurde eine Mandantin beim Schwarzfahren erwischt. Aus juristischer Warte waren diese Probleme meist schnell gelöst. Viel wichtiger war es aber, den Mädchen und Frauen das Gefühl zu geben, dass sie nicht allein sind.</p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Du engagierst dich auch privat in verschiedenen Organisationen…</strong></p>



<p>Ja genau. Ich mag den Gedanken, durch jedes Engagement die Welt ein bisschen zu verändern. Über diese Grundüberlegung bin ich auch im letzten Jahr zum Leo Club Düsseldorf gekommen. Das ist eine Organisation von jungen Menschen, die sich ehrenamtlich für andere engagiert und Verantwortung übernimmt. Gemeinsam stellen wir dort über das Jahr verteilt viele gemeinsame Projekte auf die Beine, mit denen wir uns für andere Menschen engagieren und Hilfe leisten. Hierbei ist jede Aktivität anders und zielt auf eine andere Zielgruppe ab. Von der Sammlung von Essensspenden, über Kinderschminken und Basteln in Kinder- und Flüchtlingsheimen bis zum Verkauf von Adventskalendern zur Unterstützung lokaler Schulen und Sportvereine. Zudem bin seit vielen Jahren Mitglied der FDP und gehöre einer internationalen Freiburger Studentenverbindung an.</p>



<figure class="wp-block-image"><img src="http://duesseldorf-zeigt-haltung.de/wp-content/uploads/2019/08/banner_oben3.png" alt="" class="wp-image-417" srcset="http://duesseldorf-zeigt-haltung.de/wp-content/uploads/2019/08/banner_oben3.png 940w, http://duesseldorf-zeigt-haltung.de/wp-content/uploads/2019/08/banner_oben3-595x125.png 595w, http://duesseldorf-zeigt-haltung.de/wp-content/uploads/2019/08/banner_oben3-768x162.png 768w" sizes="(max-width: 940px) 100vw, 940px" /><figcaption> Die Leo-Clubs sind die gemeinnützige Jugendorganisation von Lions Clubs International. In Deutschland engagieren sich über 3.000 Leos in mehr als 170 Clubs. </figcaption></figure>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Ist Engagement im Privaten mehr wert als im Job? </strong></p>



<p style="text-align:left">Ich glaube Engagement lässt sich nicht daran messen, in wie vielen Clubs, Vereinen oder Organisationen man Mitglied ist. Ja nicht einmal daran, wie vielen Menschen man hilft. Vielmehr ist es wichtig, einfach loszulegen. Wenn man es dann schafft, den Tag auch nur für einen Menschen irgendwie besser zu machen, hat man schon einen Mehrwert erzielt. Die meisten guten Dinge entstehen nämlich dadurch, dass Menschen mehr tun als sie müssten. Ob im Beruf oder privat ist dabei nebensächlich. Wichtig ist, mit Spaß bei der Sache zu sein.</p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Würdest du sagen, Spaß an einer Sache ist wichtig für den eigenen Erfolg?</strong></p>



<p></p>



<p>Auf jeden Fall! Denn alle Dinge, die ich gerne mache, gehen
mir auch leichter von der Hand. Der Spaß sollte also immer im Vordergrund
stehen. Ich glaube aber auch, dass es noch zwei andere Dinge wichtig sind, um
seine Ziele zu erreichen: Flexibilität und Durchhaltevermögen. </p>



<p>Für mich ist wichtig, von Zeit zu Zeit meinen Standpunkt zu analysieren und gegebenenfalls zu überdenken: Bringt mich das, was ich tue, noch voran oder ist es Zeit die Richtung zu wechseln und mich neu zu orientieren? Ich denke, sich zu sehr auf etwas zu versteifen, birgt die Gefahr sich zu verrennen. Bei mir ist es so, dass ich, sofern ich das Gefühl habe, ich bin in einer solchen Sackgasse angekommen, mir Zeit für mich nehme. Dann fahre zu meinen Eltern, treffe Freunde oder befasse mich mit anderen Dingen. Das hilft mir häufig den benötigten Abstand zu gewinnen, um meine Situation zu überdenken.  </p>



<p>Zuletzt, so denke ich, sollte man jedoch auch vermeiden, bei jedem auftretenden Problem die Flinte gleich ins Korn zu werfen. Wenn ich mir ein Ziel gesetzt habe, gebe ich nicht leichtfertig auf. Auch wenn sich der zunächst geplante Weg dorthin gern mal ändern kann. Wenn ich wirklich überzeugt von etwas bin mache ich weiter &#8211; egal was passiert. </p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Du bist erst 26 Jahre alt. Was denkst du, wo führt dich dein Weg hin – beruflich wie privat?</strong></p>



<p>Um ehrlich zu sein, weiß ich das noch gar nicht so genau. Ich habe ein paar Vorstellungen und Wünsche. Ich möchte den von mir eingeschlagenen Weg auf jeden Fall weiterverfolgen und später einmal Anwalt werden. Auch hier geht es im Kern darum, Probleme zu lösen und Menschen helfen. Andererseits fände ich auch einen Job in der Politik reizvoll. Mal sehen, was die Zukunft so für mich bereithält.</p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Letzte Frage: Liegt das alles in deiner Hand? Inwieweit denkst du, werden Wege von Schicksal bestimmt?</strong></p>



<p>Ich glaube so etwas wie Schicksal gibt es nicht. Ich habe da eher eine Vorstellung von Karma. Tue Gutes und dir wird Gutes widerfahren. Ein bisschen Glück gehört aber wohl auch dazu. </p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Maximilian &#8211; vielen Dank für das Gespräch.</strong></p>



<p>Wichtige Links:<br><a href="http://www.leo-club-duesseldorf.de/">http://www.leo-club-duesseldorf.de/ </a>&#8211; für alle, die unter 30 Jahre alt sind und sich engagieren möchten.</p>



<p></p>



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		<title>Ich tue, was ich bin</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hannah Altepost]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Jul 2019 11:58:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Besondere Düsseldorfer]]></category>
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					<description><![CDATA[<div class="entry-summary">
Jeder kann zum Mörder werden, weiß Dr. Nahlah Saimeh (53), Fachärztin für&#8230;
</div>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:left" class="has-drop-cap"><strong>Jeder kann zum Mörder werden, weiß Dr. Nahlah Saimeh (53), Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. So lautet auch eins ihrer Bücher, in dem sie ihre These aufgeschrieben und eindrucksvoll belegt hat. Sie ist als Forensische Psychiaterin Sachverständige vor Gericht und hat täglich mit Menschen zu tun, die sich verschiedenster Verbrechen schuldig gemacht haben. Meist sind es – auf den ersten Blick – recht unangenehme Zeitgenossen. Weil sich die Psychiatrie auf eine sehr spezielle Weise mit dem Menschsein beschäftigt, mit seiner Fragilität und Störanfälligkeit, hat Dr. Saimeh bewusst dieses Fach gewählt: Es gibt kein „schwarz oder weiß“, jeder Mensch bringt seine ganz persönliche, einzigartige Geschichte mit. Nahlah Saimeh schaut ganz genau hin, denn nicht selten bestimmen ihre Gutachten über die Zukunft des Angeklagten. </strong></p>



<p style="color:#35d0dc;text-align:left" class="has-text-color"><strong>„Always look on the bright side of life“ ist nicht nur eine bekannte Liedzeile, sondern auch Lebensmotto vieler. Sie beschäftigen sich beruflich hingegen mit den dunkleren Seiten des Lebens, oder besser, mit denen im Leben anderer. Sie sehen hin und hören zu, wo andere vielleicht wegschauen oder voreilig urteilen. Warum?</strong></p>



<p>Wer wir sind und wie wir durchs Leben gehen, welche Möglichkeiten wir in uns sehen und ausbauen können, oder welche unentwickelt bleiben, hängt von vielen Bedingungen ab. Einen Teil dieser Bedingungen können wir mitgestalten, einen anderen, sehr frühen Teil unserer Existenz nicht. Wir kommen mit einer bestimmten genetischen Ausstattung zur Welt, unsere Eltern sind liebevoll, stützend, behütend oder z. B. gewalttätig, suchtkrank, selbst durch Gewalt traumatisiert. Wir können mehr oder weniger gut lernen, sind mehr oder weniger lernwillig, bekommen eine fördernde oder eine beschränkende Erziehung. Das sind Dinge, die wir nicht wählen. Dass diese Aussage für einen geübten Buddhisten nicht stimmt, und es dazu spirituelles Wissen gibt, ist mir bekannt, aber das lasse ich hier mal außen vor. Die Forensische Psychiatrie in unserem Kulturkreis ist geprägt von psychologischem, bindungstheoretischem, psychodynamischem, neuropsychologischem und medizinisch-psychiatrischem Wissen. </p>



<p>Menschen unterscheiden sich im Antrieb, in ihrer Zielstrebigkeit, in einem konstruktiven Durchsetzungswillen, und auch in Eigenschaften wie Feindseligkeit und Misstrauen.<br>All das prägt uns und das, was wir werden, wer wir sind und wer wir sein  könnten. Wir sind verantwortlich für unser Leben – ohne jeden Zweifel.  Wir bestimmen das Spiel, aber wir bestimmen nicht die Karten, die wir  gezogen haben. </p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Das heißt, eigentlich ist unser Leben vorbestimmt und von uns nur bedingt beeinflussbar?</strong></p>



<p style="text-align:left">Wir
kommen als Nesthocker auf die Welt und sind ohne liebevolle Zuwendung nicht
überlebensfähig. Das prägt und trägt uns für unser ganzes Leben. Es lässt uns
resilient werden, um mit den Widrigkeiten und Prüfungen des Lebens, die jeder
von uns in der ein oder anderen Art durchläuft, fertig zu werden. Meine
Grundhaltung Menschen gegenüber, auch jenen, die man eher als unangenehm
bezeichnen könnte, ist letztlich Demut. Selbst wenn ich im bürgerlichen Sinne
schon der Ansicht bin, dass es zur Eigenverantwortung und Freiheit gehört, sich
über die Art, wie man sein Leben gestalten will, Gedanken zu machen und einer
Vorstellung nachzugehen, so ist mir doch bewusst, dass die Fähigkeit dazu
letztlich auch Teil einer Beschaffenheit des eigenen Wesens ist, die einem
zufällt und die man sich nicht aussucht. Ich meine damit nicht die
pauschalisierende Grundhaltung, dass keiner etwas für seinen Lebensweg und
seine Entscheidungen kann. Die Verantwortung im Alltag hat man für sein Leben
sehr wohl. Aber auf einer tieferen Ebene ist mir Demut als Haltung wichtig.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter is-resized"><img src="http://duesseldorf-zeigt-haltung.de/wp-content/uploads/2019/07/Dr.-Saimeh-A_160-960x1440.jpg" alt="" class="wp-image-304" width="423" height="634" srcset="http://duesseldorf-zeigt-haltung.de/wp-content/uploads/2019/07/Dr.-Saimeh-A_160-960x1440.jpg 960w, http://duesseldorf-zeigt-haltung.de/wp-content/uploads/2019/07/Dr.-Saimeh-A_160-595x893.jpg 595w, http://duesseldorf-zeigt-haltung.de/wp-content/uploads/2019/07/Dr.-Saimeh-A_160-768x1152.jpg 768w, http://duesseldorf-zeigt-haltung.de/wp-content/uploads/2019/07/Dr.-Saimeh-A_160.jpg 1417w" sizes="(max-width: 423px) 100vw, 423px" /><figcaption>Dr. Nahlah Saimeh</figcaption></figure></div>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Unter dieser Annahme ist es für viele vermutlich schwer, gesellschaftlich akzeptiert zu werden. Schließlich werden gewisse Wesenszüge gemeinhin erwartet, andere einfach nicht toleriert.</strong></p>



<p>Gesellschaftliches
Zusammenleben braucht verbindliche Regeln für jeden, der Mitglied dieser
Gesellschaft ist. Mein Verständnis von Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft ist
die Identifikation mit und die aktive Mitgestaltung und Förderung von
Grundregeln, die eine Gesellschaft ermöglichen, in der möglichst viele Menschen
ihr Leben selbstwirksam gestalten und teilhaben können. Eine Gesellschaft, die
eine hohe Integrationsfähigkeit hat, benötigt aber dennoch klare
Verbindlichkeiten. Mir machen Gesellschaften Angst, die die Unterschiedlichkeit
von Menschen, ihre unterschiedlichen Anlagen, Bedürfnisse, Wünsche und
Vorstellungen nicht berücksichtigen und eine Art Ergebnisgleichheit anstreben.
Das geht gegen die Vielfalt menschlichen Seins in allen Möglichkeiten und
Beschränkungen. Gesellschaften sind komplex. Menschen benötigen die Erfahrung
der Selbstwirksamkeit für ihr Leben.</p>



<p>Wenn
man bedenkt, dass soziale bzw. sozio-kulturelle Armut transgenerational
weitergegeben wird und das trotz beträchtlicher Sozialtransferleistungen und
einer Gesellschaft, die tendenziell eher keine riesigen sozialen Unterschiede
will, dann sieht man, dass das Problem womöglich doch verkürzt angegangen wird.
Ideologien begrenzen immer Komplexität im Denken und dulden nur monokausale
Zuschreibungen. Sozio-edukative und damit auch sozio-emotionale Probleme werden
nicht gelöst, weil sie viel komplexer und langwieriger anzugehen sind. Menschen
sind und brauchen mehr, um ein Selbstbild und einen Lebensentwurf für sich zu
entwickeln, so dass sie sich als Persönlichkeit einbringen können. Ich spreche
ja oft mit Menschen aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Sie scheitern nicht
an ihrer Intelligenz und sicher auch nicht an dem Mangel an individuellen
Fähigkeiten, die sie eben sehr wohl entwickeln und entfalten können, wenn die
Rahmenbedingungen ihres Lebens geordnet sind. </p>



<p>Andere Gesellschaftsmodelle wiederum beziehen sich neuerdings wieder auf nationalistische Utopien. Auch sie pflegen gewissermaßen das Modell einer „Monokultur“. Menschsein ist aber untrennbar mit Vielfalt verbunden. Auch da gilt: Niemand sucht sich seinen Geburtsort aus. In einem sicheren Land in Friedenszeiten geboren zu werden ist Gnade, ist Geschenk und kein Verdienst. Man muss halt schauen, was man damit anfängt. Der Verantwortung können wir nicht ausweichen und damit besteht für uns alle auch immer die Möglichkeit, dass wir scheitern.</p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Was bedeutet das für unsere Gesellschaft?</strong></p>



<p>In der aktuellen Situation stehen wir meiner Ansicht nach vor einer gewaltigen gesellschaftlichen Herausforderung und ich wünsche mir sehr viel mehr Dankbarkeit und Bewusstsein dafür, dass wir hierzulande wohl an einem der besten Orte der Welt leben. Diese Aussage ist auch dann richtig, wenn nicht jeder Einzelne ein Gleichmaß an Glück und Zufriedenheit hat. Es geht um das Ganze und um die Rahmenbedingungen, in denen sich ein individuelles Leben – mit allen Freuden und allem Schmerz – entfalten kann. Ich würde mir mehr Bewusstsein dafür im öffentlichen Diskurs wünschen. Es ist en vogue, für jedes individuelle Schicksal nach Schuldigen im Außen zu suchen. Das führt zu nichts. Es geht uns – noch – gut und die gesellschaftliche Entwicklung, die ich als nunmehr 53 Jahre alte Frau in den letzten fünf Jahrzehnten mit verfolgt habe, hat hierzulande zu einem Maß an individueller Freiheit, Selbstbestimmung und natürlicher Akzeptanz unterschiedlicher Lebensformen geführt, die für mich ein wahres Bekenntnis zum Humanismus sind.<br><br>Als ich ein Kind war, gab es so gut wie keine Frauen in Führungspositionen, als ich Kind war, gab es im Krankenhauswesen kaum Aufstiegschancen für Menschen ohne konfessionelle Bindung. Ich habe mich als Kind gefragt, ob ich als nicht getaufte Frau irgendwann einmal Chefärztin werden könnte. Ich habe 1985 Abitur gemacht. Ich kenne noch Kommentare von Menschen meiner Eltern-Generation, die sagten: Du heiratest doch sowieso und dann kommen die Kinder … Ein anderes Beispiel: Wie lange wurde gegen Menschen mit homosexueller Partnerwahl vorgegangen? Auch zuletzt war doch die Debatte der „Ehe für Alle“ von einigen Peinlichkeiten geprägt. Was kann es Bürgerlicheres geben als eine Ehe einzugehen? Was ist das für eine Anmaßung, anderen Menschen eine so emotionale und hoch private Entscheidung wie eine Ehe absprechen zu wollen? </p>



<p>Wir
haben angesichts der unglaublichen weltweiten Vernetzung die Aufgabe,
Verschwörungstheoretikern und Menschen, die ihre Überforderung mit der
Komplexität unserer Welt in Hass ummünzen, besonnen und gleichwohl sehr entschieden
und konsequent zu begegnen. Vielleicht wird das Bedrohungspotential noch
unterschätzt und wir reagieren hilflos auf etwas, das wir lange ausgeblendet
haben oder überwunden glaubten. Hass ist eine Folge von Überforderung und
Angst. Das muss man ernst nehmen. Wenn Menschen Probleme in der Gesellschaft
nicht mehr ansprechen dürfen, weil sich immer gleich irgendwer beleidigt,
diffamiert und auf den Schlips getreten fühlt, dann machen sich Kräfte breit,
die vermeintlich probate Lösungen mit sehr einfachen Mitteln propagieren, unter
denen dann Millionen Menschen leiden werden. Es gibt eine besonders ungute
Mischung aus Hysterie in der Debattenkultur und erstarkendem Fanatismus jeder
Couleur. Beides sind ungute Entwicklungen. Mit einer ständigen Empörungskultur
lassen sich weder ein Verständnis von der Gesellschaft noch Lösungen
entwickeln.</p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Stichwort Lösungen entwickeln: Mit welchem Ansporn und mit
welcher Motivation starten Sie in den Tag und gehen Aufgaben wie Probleme an?</strong></p>



<p>Ich
bin, was ich tue. Ich tue, was ich bin. Von daher stellt sich mir die Frage von
Motivation oder Ansporn nicht. Man würde einen Fisch ja auch nicht fragen, ob
er sich morgens die Frage stellt, ob er im Wasser schwimmen will. Der Fisch
muss schwimmen, er ist zum Schwimmen gemacht.</p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Ein Fisch hat aber auch weniger Optionen als Sie. Sie können jeden Morgen neu entscheiden, wer Sie sind und was Sie tun. Was treibt Sie also an, genauso zu sein, wie sie sind, und das zu tun, was sie tun?</strong></p>



<p style="text-align:left">Ja, das könnte man meinen. Oberflächlich betrachtet ist das auch so. Ich bin nach mehr als 50 Jahren meines Lebens da angekommen, wo ich sagen kann: Das, was ich tue, ist in hohem Maße kongruent mit mir als Mensch, als Person. Das ist ein großes Geschenk. Dieses Geschenk ist aber auch die Folge einer intensiven, kritischen Auseinandersetzung mit besonderen Prüfungen im Leben. Es fällt einem nichts in den Schoß. Im Übrigen auch etwas, das häufig unterschätzt wird. Wir alle kennen den Satz &#8222;Nur wer gegen den Strom schwimmt, gelangt zu den Quellen.&#8220; Das ist richtig, bedeutet aber auch die Bereitschaft zur Kraftanstrengung. </p>



<p>Dieses Ausmaß von Kongruenz erlebt vielleicht nicht jeder im Leben, aber ich wünsche jedem, dass er einen Teil seines Lebens so gestalten kann, dass er das erlebt. Bei mir ist es eben meine berufliche Tätigkeit. Ich glaube allerdings, dass dieses Kongruenz-Erleben in jedem Beruf möglich ist; bei künstlerischen Tätigkeiten ist es evident. Sie <em>sind </em>Musiker, Sie <em>arbeiten </em>nicht als Musiker, auch wenn Musizieren faktisch viel Arbeit bedeutet. Sie können aber ebenso mit Leib und Seele Bäcker sein, IT-Spezialist, Schuster, Lehrer, Zahnarzt.</p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Neben Ihrer Tätigkeit als Sachverständige sind Sie Lehrbeauftragte, Rednerin und auch Buchautorin. Gibt es bei Ihnen so etwas wie Alltag? </strong></p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft"><img src="http://duesseldorf-zeigt-haltung.de/wp-content/uploads/2019/07/maxresdefault-960x540.jpg" alt="" class="wp-image-322" srcset="http://duesseldorf-zeigt-haltung.de/wp-content/uploads/2019/07/maxresdefault-960x540.jpg 960w, http://duesseldorf-zeigt-haltung.de/wp-content/uploads/2019/07/maxresdefault-595x335.jpg 595w, http://duesseldorf-zeigt-haltung.de/wp-content/uploads/2019/07/maxresdefault-768x432.jpg 768w, http://duesseldorf-zeigt-haltung.de/wp-content/uploads/2019/07/maxresdefault.jpg 1280w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" /><figcaption>Dr. Nahlah Saimeh als Gast in der TV-Sendung Markus Lanz</figcaption></figure></div>



<p></p>



<p>Meine Tage sind insofern abwechslungsreich, als dass ich mit Menschen spreche, meine Gutachten bearbeite, Akten studiere, Unterricht gebe, Vorträge halte. Aber alles, was ich tue, tue ich gerne. Heute kann ich im Grunde sagen: Was ich nicht tun möchte, tue ich nicht. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich ein diszipliniertes Leben führe und keine Kurzweiligkeit mehr brauche. Ich erinnere mich gut daran, dass ich früh &#8211; noch als Schulkind &#8211; für mich die Erkenntnis gefunden habe, dass wahre Freiheit darin liegt, seine aufgegebenen Aufgaben mit Freude zu erfüllen. </p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Für Ihre Bücher haben Sie stark provozierende Titel gewählt. „Ich bring dich um!“ oder „Jeder kann zum Mörder werden“, heißt es da. Meinen Sie Letzteres wirklich so?</strong></p>



<p>Wichtig ist hier: Man kann ein kompliziertes Thema nicht vollständig in einem Buchtitel erklären. Ich zeige in dem Buch sehr unterschiedliche Fälle und Schicksale von Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Motiven und Kontexten Tötungsdelikte begangen haben. Buchtitel entstehen immer im Wechselspiel mit dem Verlag. Ich habe nur gesagt, dass ich Titel mit dem Wort „Monster“ ablehne. Mein Ziel war, die Hybris abzubauen und Menschen klar zu machen, dass der ein oder andere Fall genauso gut auch man selbst hätte sein können. Die Idee, dass ein anderer Mensch grundsätzlich gänzlich anders ist als man selbst, halte ich für eine falsche Grundannahme. Gleichwohl bleibt die Tötung von Menschen ein schweres Verbrechen und je nach Täter-Typus hat das auch Implikationen für die Dauer des Freiheitsentzuges. </p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Auch mit dieser Annahme: Gibt es bestimmte Vorsätze, mit denen Sie jedem Menschen begegnen – egal ob Ihnen sympathisch oder gänzlich fremd, straffällig oder psychisch erkrankt?</strong></p>



<p>Ja, ich
bin respektvoll und ich nehme Menschen ernst, egal wie sie sind und was sie tun
oder getan haben. Ich betrachte Menschen genau, aber ich maße mir nicht an,
über sie zu urteilen. </p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Das klingt gar nicht so leicht. Welche
Charaktereigenschaften befähigen Sie dazu? </strong></p>



<p class="has-text-color has-very-dark-gray-color">Ich denke, ich kann mich gut in andere Lebenswirklichkeiten hineinversetzen und ich kann Menschen ganz gut erfassen. Ich bin auch nicht voreingenommen, aber ich denke, ich bin schon sehr klar. Und ich kann unangenehmen Themen mit großer Nüchternheit, Distanz und womöglich sogar mit innerer Gelassenheit begegnen.</p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Würden Sie sagen, unsere Gesellschaft, in der jeder eher auf sich selbst schaut, als sein Umfeld und mögliche Probleme wahrzunehmen, bewirkt, dass Menschen leichter zu Mördern werden?</strong></p>



<p>Nein, das würde ich nicht sagen. Tötungsdelikte sind in unserer Gesellschaft wirklich selten. Es gibt über 5,5 Millionen angezeigte Strafanzeigen pro Jahr und weniger als 2.500 Tötungsdelikte jährlich. Bei Tötungen gibt es ja auch weitaus weniger ein Dunkelfeld als bei Sexualdelikten. Wir leben hier insgesamt schon recht friedlich im Vergleich mit anderen Ländern. Auch ist unsere „Gesellschaft“ nicht für alles und jeden verantwortlich. Diese Vorstellung würde zu einer ungeheuren Infantilisierung der Gesellschaft führen. Mit Infantilisierung meine ich, dass dieser Diskurs dazu führt, dass man einem Erwachsenen die Verantwortlichkeit für seine Entscheidungen abspricht. Wir verhalten uns kollektiv dann so wie der Täter, der die Schuld für seine Tat auf Dritte abwälzt. Der Reiz des Erwachsenseins besteht ja darin, Verantwortung tragen zu können – im Gegensatz zu einem Kind, für dessen Verhalten die Eltern verantwortlich stehen. Was wollen Sie denn als „Gesellschaft“ machen, wenn jemand beschließt, aus Habgier seinen Geschäftspartner zu erschießen? Was soll die Gesellschaft dafür können, wenn ein Scheidungsdrama mit dem Tod des einen endet? Die „Gesellschaft“ ist auch nicht schuld daran, wenn eine sehr junge Frau sehr unreif ist, sich von ebenso unreifen Männern schwängern lässt und ihre Neugeborenen im Kleiderschrank liegen lässt. Das sind individuelle Schicksale, individuelle Probleme, häufig mit einem speziellen familiären Kontext, aber die „Gesellschaft“ ist daran nicht schuld. <br></p>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter"><img src="http://duesseldorf-zeigt-haltung.de/wp-content/uploads/2019/07/1111-4-e1563460552609.jpg" alt="" class="wp-image-352"/><figcaption>In ihrem Düsseldorfer Büro gehen Kunst und Arbeit Hand in Hand</figcaption></figure></div>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>„Mörder“ – ein Begriff, jedoch tausende einzelne Geschichten und Hintergründe. Machen wir es uns dann nicht viel zu einfach, Menschen, die jemanden getötet haben, mit nur einem Wort zu kategorisieren?</strong></p>



<p>„Mord“ ist ein juristischer Begriff. Es gibt ja auch noch den Totschlag oder die Körperverletzung mit Todesfolge. Am Ende bleibt: Es ist immer einer tot. Und gestatten Sie mir die Bemerkung, dass sowohl für den Getöteten selbst als auch für dessen Hinterbliebene es wohl letztlich gleichermaßen schlimm ist, ob er nun durch Mord oder Totschlag ums Leben kam. Tötungsdelikte sind immer einschneidend. Solche Differenzierungen sind für die Erkennung von Strafmaßen aber notwendig und natürlich auch für die Analyse der persönlichkeitsimmanenten Gefährlichkeit in der Zukunft. Ich bekomme im Übrigen mit, dass die Strafjustiz hierzulande sich schon beträchtlich viel Mühe gibt, sich der Persönlichkeit eines Täters anzunähern und zu begreifen, wie die Tat mit seiner Persönlichkeit und seinem Lebensweg zusammenhängt. </p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Denken Sie oft an Straftäter und die Gutachten, die Sie
über diese gestellt haben?</strong></p>



<p>Ich denke über diejenige Person, über die ich ein Gutachten schreibe, nach, wenn ich das Gutachten schreibe. Und es ist wie sonst auch im Leben: Es gibt Menschen, die bleiben einem besser in Erinnerung als andere. Ihre Frage muss ich aber mit nein beantworten. Ich hoffe natürlich, dass ich mit meiner Einschätzung richtig liege. Diese so genannten gefährlichkeitsprognostischen Gutachten sind eigentlich Gutachten zum Risikoprofil. Ich kann keine Prognosen auf die lange Zeit des Lebens abgeben, aber ich kann beschreiben, welche konkreten Risikofaktoren in einer Persönlichkeit noch vorhanden sind, nicht mehr vorhanden sind und unter welchen Bedingungen welche Arten von Taten mit welcher Wahrscheinlichkeit noch zu erwarten sind. Dazu sammle ich alle verfügbaren und relevanten Informationen und ordne sie gewissenhaft ein. </p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Was ist Ihnen neben dem Beruf noch wichtig? </strong></p>



<p>Mit meinem Beruf diene ich einem sehr differenzierten Konzept von Rechtstaatlichkeit. Das ist mir wichtig. Ferner engagiere ich mich in der Ausbildung des gutachterlichen Nachwuchses und über die Dozententätigkeit in der Ausbildung von Studierenden. <br><br>Darüber hinaus widme ich mich seit dem letzten Jahr dem Leben und Werk meines verstorbenen Mannes. Mein Mann ist immer auf der feinsinnigen, subtilen Seite des Lebens zu Hause gewesen und ich arbeite an den groben Rändern der Gesellschaft. Wir haben als Paar also eine sehr große Spannbreite abgedeckt. Mir ist bildende Kunst sehr wichtig. Außerdem befasse ich mich mit ZEN Meditation und habe begonnen, Gedichte zu schreiben.</p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Vielen Dank Ihnen für das Gespräch.</strong></p>



<p>Wichtige Links:<br> <a href="https://www.nahlah-saimeh.com/index.php/nahlah-saimeh-interviews">https://www.nahlah-saimeh.com/index.php/nahlah-saimeh-interviews</a>  &#8211; Interviews und Veröffentlichungen von Dr. Nahlah Saimeh</p>



<p></p>



<p></p><p>The post <a href="http://duesseldorf-zeigt-haltung.de/nahlah-saimeh">Ich tue, was ich bin</a> first appeared on <a href="http://duesseldorf-zeigt-haltung.de">Düsseldorf zeigt Haltung</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Es geht auch anders</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hannah Altepost]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 May 2019 10:36:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Besondere Düsseldorfer]]></category>
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					<description><![CDATA[<div class="entry-summary">
Christina Rau (50) war in der Agentur- und Marketingwelt zu Hause. 2018&#8230;
</div>
<div class="link-more"><a href="http://duesseldorf-zeigt-haltung.de/christina-rau" class="more-link">Weiter lesen<span class="screen-reader-text"> &#8220;Es geht auch anders&#8221;</span>&#8230;</a></div>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:left" class="has-drop-cap"><strong><em>Christina Rau (50) war in der Agentur- und Marketingwelt zu Hause. 2018 wagte sie einen Neustart und eröffnete die FLinse – Düsseldorfs ersten Unverpackt-Laden. Ein erfolgreicher Schritt, konnte sie schon im Gründungsjahr das Sortiment von 200 auf 400 Produkte verdoppeln und treue Kunden gewinnen. Die Wahl, die FLinse in Düsseldorf zu eröffnen, ist ihr leichtgefallen – bedeutet die Landeshauptstadt doch ein Stückchen Heimat für sie. Ihr Wunsch für die Menschen dieses Großstadtdschungels? Zeit für die wichtigen Dinge im Leben, sehen, was positiv ist und Mut zu Veränderungen</em></strong><em>.</em></p>



<p style="color:#35d0dc;text-align:left" class="has-text-color"><strong>„Wiegen, befüllen, zahlen.“ – In Ihrem Unverpackt-Laden FLinse ist das Prinzip kurz und knackig erklärt. Wäre es nicht schön, wenn immer alles so einfach wäre?</strong></p>



<p>Dann wäre das Leben ja langweilig!&nbsp;</p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Sie beziehen Produkte
vorwiegend direkt aus NRW – dieser bewusste Einkauf birgt sicher auch
Herausforderungen, wie ein limitiertes Angebot. Nach welchen Kriterien wählen
Sie Lieferanten aus?</strong></p>



<p style="text-align:left">Die Kommunikation mit kleinen regionalen Unternehmen oder Start-Ups ist sehr zeitintensiv, wird dadurch aber auch oft sehr vertrauensvoll. Meist überlegen wir gemeinsam, in welchen Gebinden, in welchen Mengen, Geschmacks-/Duftrichtungen etc. die Ware angeboten werden kann. In der Regel teste ich alle neuen Waren auch vorab oder besuche manchmal die Produktionsstätte. Hier schaue ich, ob Produkte überhaupt unverpackt verkauft werden können und stelle sicher, dass auch mir die Ware in umweltfreundlicher Verpackung zugeliefert wird. </p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Heißt, Ihre Kunden bekommen nur das Beste angeboten.</strong></p>



<p>Auch meine Kunden werden bei
neuen Produkt-Ideen möglichst von Anfang an mit eingebunden, zum Beispiel mit vorherigen
Umfragen: Welche Sorte würdet ihr bevorzugen? Worin wollt Ihr das Produkt
abfüllen? usw. Die Vorarbeit ist sehr wichtig, da stets ein reger Austausch mit
den Kunden stattfindet und auch hier das Vertrauen eine große Rolle spielt.
Natürlich kommt es auch mal zu Lieferengpässen, da einige Waren nur
saisonbedingt verfügbar sind. Die Kunden haben dafür meistens großes
Verständnis, da sie wissen, dass Regionalität und kleine Unternehmen dahinterstecken.
</p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Bedeutet ökologisch handeln
also gleichzeitig eingeschränkt sein und Verzicht?</strong></p>



<p>Verzicht muss ja nicht negativ sein. Für mich und auch für viele meiner Kunden muss nicht immer alles und zu jeder Zeit verfügbar sein.<br>Wenn ich unverpackt, regional und saisonal einkaufe, nehme ich mein Umfeld wesentlich intensiver wahr. Das gibt mir ein Gefühl von Heimat. Was wird in der Umgebung von Düsseldorf angebaut und hergestellt? Wann ist was verfügbar? Durch die Diskussion zu solchen Themen entstehen soziale Kontakte, gegebenenfalls sogar Freundschaften. All das kann ungemein zur Entschleunigung des Alltags beitragen. Mir gibt es Inspiration und neue Ideen für den Alltag. Mit einem guten Gewissen, etwas für den Erhalt der Umwelt zu tun, erlebe ich auch die Natur noch intensiver. </p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Was verstehen
Sie unter „umweltbewusster Verantwortung“ und wie werden Sie dieser gerecht?</strong></p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright is-resized"><img src="http://duesseldorf-zeigt-haltung.de/wp-content/uploads/2019/05/Flinse-42-960x641.jpg" alt="" class="wp-image-176" width="318" height="212" srcset="http://duesseldorf-zeigt-haltung.de/wp-content/uploads/2019/05/Flinse-42-960x640.jpg 960w, http://duesseldorf-zeigt-haltung.de/wp-content/uploads/2019/05/Flinse-42-595x397.jpg 595w, http://duesseldorf-zeigt-haltung.de/wp-content/uploads/2019/05/Flinse-42-768x513.jpg 768w, http://duesseldorf-zeigt-haltung.de/wp-content/uploads/2019/05/Flinse-42-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 318px) 100vw, 318px" /><figcaption>Die FLinse in Flingern &#8211; hier gibt es an die 400 Produkte. Alle unverpackt.</figcaption></figure></div>



<p>Ich übernehme Verantwortung für die Umwelt, wenn ich darüber nachdenke, ob ich mit meinem Verhalten der Umwelt schade, und ob es vielleicht eine Alternative gibt. Und wenn ja, versuche ich diese in meinen Alltag zu integrieren. <br>Für mich spielt die Vorbildfunktion eine große Rolle. Es gibt nicht den einen Weg umweltbewusst zu leben, sondern viele. Ich habe zum Beispiel seit circa zwei Jahren kein Auto mehr und fahre mindestens drei Mal die Woche mit dem Fahrrad von Erkrath nach Düsseldorf zur Arbeit und sonst mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Dies ist gleichzeitig mein Sport und meine tägliche Zeit an der &#8222;frischen&#8220; Luft. Ich habe immer Bio-Baumwollbeutel für Einkäufe wie Obst, Gemüse und Brot in der Tasche, aber neuerdings auch Frischhaltetücher aus Bienenwachs für die Wurst- und Käsetheke. Ich selber esse nur noch ganz wenig Fleisch und ich reise in Städte und Länder, die ich mit der Bahn oder mit dem Auto erreichen kann. <br>Im Kosmetikbereich komme ich komplett ohne Verpackung aus: Körperseife im Sisalsäckchen, Shampoo-Seife, Lotion am Stück, Zahnreinigungstabletten, Bambuszahnbürste, -Wattestäbchen, -Toilettenpapier. Ich versuche seit Jahren alles auf ein Minimum zu reduzieren, egal ob Haushaltswaren, Möbel, Kleidung &#8211; meine Erkenntnis: Es macht Spaß und ist befreiend!</p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Minimum vs. Überangebot – was ist Ihr Appell an die großen (Lebensmittel-)Konzerne?</strong></p>



<p>Ich wünsche mir, dass sich der Markt von allein reguliert. Vorrang haben für mich regionale Unternehmen, Institutionen und Anbaugebiete. Wenn diese ausgeschöpft sind, schaut man im näheren Umfeld, um Nachfrage und Angebot zu regulieren, dann auf nationaler Ebene und zum Schluss auf internationaler Ebene. Das könnte meiner Meinung nach durch das Verhalten und einer größeren Einbindung der Konsumenten bei Entscheidungen in der Kommunalpolitik und politischem Druck auf Konzerne ausgebaut und gefördert werden. <br>Die großen Lebensmittelkonzerne müssen sich dem so aufgebauten Druck beugen und wären in vielen Bereichen gezwungen, ihr Angebot, ihre Verpackungen, ihre Preispolitik etc. umzustellen. Wenn ich ein Produkt im Supermarkt liegen lasse, weil es aus Fernost kommt oder weil es in Plastik verpackt ist – und ich eine Alternative habe, dieses Produkt oder etwas anderes dafür regional und unverpackt zu kaufen – werden auch die Konzerne nach Alternativangeboten schauen. </p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>„Containern“, also die Mitnahme weggeworfener Lebensmittel aus Abfallcontainern, kann auch nicht die Lösung gegen verschwenderisches Handeln sein, oder?</strong></p>



<p>Dass Waren übrigbleiben, kann
ich nur bedingt verstehen. Es gibt bereits einige Institutionen (Die Tafel,
Food-Sharing), die Waren kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD)
annehmen. Einige Supermärkte haben Regalbereiche mit Sonderangeboten, bei denen
das MHD kurz vor Ablauf steht oder bereits abgelaufen ist. Diese Möglichkeiten
sollten von der Politik noch weiter gefördert werden, so dass diese Waren nicht
in Containern, sprich im Müll, landen.</p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Kritisch hinterfragt: Ist die Anzahl derer, die sich engagieren, nicht viel zu gering?</strong></p>



<p>Es können immer mehr sein. Ich stelle oft fest, dass viele Menschen nicht wissen, dass sie ihr Verhalten ganz einfach verbessern können und es – gerade in Bezug auf den eigenen Konsum – auch anders geht. Viele haben zum Beispiel noch nie von Unverpackt-Läden gehört, geschweige denn waren dort. In Düsseldorf gibt es inzwischen sogar drei. Daher ist es mir ein Anliegen, mein Wissen mitzuteilen und zu verbreiten, zu zeigen, dass es so, wie es ist, nicht sein muss. Denn jeder, der etwas tut, kann etwas bewegen.</p>



<p style="color:#35d0dc" class="has-text-color"><strong>Vielen Dank für das Gespräch.</strong></p>



<p>Wichtige Links:<br><a rel="noreferrer noopener" aria-label=" (öffnet in neuem Tab)" href="https://flinse.co/" target="_blank">www.flinse.co</a>  &#8211; Alle Infos zu Öffnungszeiten, Sortiment, Lieferanten und Events</p>



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